Sonntag, 28. Juni 2009

Total vernetzt!

Endlich ist es uns gelungen, unser Schiffchen mal wieder zu besuchen. Dank meiner zurückliegenden OP, die noch durch eine aggressive Anschlussangina gekrönt war, sind etliche Wochen ins Land gegangen. Tja - diese Saison steht wohl unter keinem guten Stern. Immerhin ist meine Gesundheit mittlerweile zumindest teilweise wieder hergestellt. Daher wird es Zeit, nach vorn zu schauen und den Rest der Saison in Angriff zu nehmen.

Da es ab Montag wieder ins Büro geht, sollte das Wochenende nochmal der Entspannung und Genesung dienen. Kurzerhand haben wir unseren kleinen Quälgeist schweren Herzens bei Oma untergebracht, so dass uns zumindest eine erholsame Nachtruhe sicher war. Außerdem wollten wir die Zeit nutzen, um endlich das Relingnetz zu montieren, damit Lilli sich dann alsbald das komplette Deck gefahrloser erklettern kann. Da wir erst Samstag mittag angereist sind, stand zunächst mal Entspannung auf dem Plan. Schließlich muss die ungewohnte Ruhe ja genossen werden. Im Hafen wehte ein strammer Ostwind und leider zeigte sich die Sonne nur hin und wieder.


Die ersten Versuche mit der Netzmontage verliefen ernüchternd. Irgendwie wollte sich das Netz in keine gleichmäßige Spannung bringen lassen. Probieren geht über studieren. Unzählige Kabelbinder werden montiert, um entnervt wieder abgeschnitten zu werden. Wir verlieren erstmal die Lust und widmen uns lieber dem Abendessen und einem anschließenden Spaziergang. Der Abend ist windstill und es ist richtig lange hell. So schmeckt ein Sommerabend. In Hoffnung auf eine Erleuchtung hinsichtlich der Netzmontage verbrachten wir die Nacht in Lilli´s Vorschiffskoje. Morgends wird erstmal ausgeschlafen und gemütlich gefrühstückt. Dann starteten wir durch und Stück für Stück bekamen wir das Netz in den Griff. Allerdings verbrauchten wir etwa alle 5 cm einen Kabelbinder. Nach mehreren Stunden war die Backbordseite endlich fertig und die Kabelbinder alle. Da es bereits 15 Uhr war, mussten wir ohnehin zu Aufbruch rüsten. Lilli will ja schließlich bald abgeholt werden - wir vermissen sie ja auch schon sehr. Die Steuerbordseite muss also dann nächsten Wochenende folgen. Gern wäre ich schon fertig. Wo bleibt denn die Zeit zum Segeln? Ich traue mich kaum zu sagen, dass wir dieses Jahr noch keine einzige Seemeile gesegelt sind...

Sonntag, 24. Mai 2009

OP statt Segeltörn

Tja, langsam bin ich es leid von Krankheiten zu berichten, aber leider lässt meine Sinusitis nicht locker. Nach neuestem CT-Bericht könnte nur eine baldige OP dauerhaft Abhilfe schaffen. Also Augen zu und durch. Nächste Woche geht´s los. Eigentlich wollten wir beginnend am Vatertag unseren ersten 2-wöchigen Segeltörn starten. Der muss jetzt erstmal verschoben werden. Dabei ist das Wetter gerade so genial. Sonne satt und heute hatten wir den ersten richtigen Sommertag. Da krankheitsbedingt immer jemand flach lag, sind wir in dieser Saison bisher noch nicht einmal angesegelt. Genug gejammert. Immerhin haben wir das Wochenende an Bord verbracht und die Sonne und die Salzluft taten meiner Nase sehr gut. Nun bin ich fit für die OP. Am Samstag haben wir mit Lilli bei einem Grillfest mit allen Dauerliegern im Hohe Düne Yacht Club gefeiert. Endlich hat man mal alle Gesichter gesehen. Unsere Kleine hat gut durchgehalten, so dass wir bis um zehn bleiben konnten. Auch mit dem Durchschlafen ging es diesmal. So war die Nacht auch für uns erholsam. Tagsüber sind wir viel spazieren gegangen um unserem Wildfang genügend Auslauf zu gewähren.
Heute haben wir dann die Gunst Lillis Mittagsschlafes genutzt und das Teakholz an Deck abgebürstet. Da kam jede Menge Algenschlamm vom Winterlager runter. Viel zu schnell rückte die Abreise näher und wir saßem im Auto nach Hause. Jetzt heißt es erstmal Zähne zusammenbeißen und die Zeit im Krankenhaus schnell rumkriegen, damit der Segeltörn in nicht allzu weite Ferne rückt.

Sonntag, 3. Mai 2009

Maiwochenende versus Mandelentzündung

Das war ganz anders geplant. Weil der 1. Mai in diesem Jahr auf einen Freitag fällt und die sonnige Ostwindperiode auch gerade noch dieses Wochenende durchhalten soll, hatten wir uns auf drei Tage an Bord gefreut. Außerdem sollte endlich die ersehnte neue Sprayhood + Kuchenbude montiert werden. Einem lauschigen Wochenende zwischen Grill und Sonnenbad sollte nichts entgegen stehen. Leider überraschte Jeannette in der Nacht zu Donnerstag eine fette Mandelentzündung mit Schüttelfrost, Fieber und höllischen Schmerzen. Auch Lilli fieberte vor sich hin und schlief schlecht. Donnerstag nahm ich dann die Rolle des Krankenpflegers war und fuhr auch mit Lilli noch zum Arzt. Die Ernüchterung - auch Lilli hat eine starke Mandelentzündung. Beide Damen müssen nun Antibiotikum nehmen und sich erholen. Draußen herrlichstes Wetter und bei uns machte sich Frust breit. Naja - nicht zu ändern. Während ich mich rund um die Uhr um Lilli kümmerte, ging es Jeannette nur langsam besser. Echt anstrengend. In der Zwischenzeit wurde tatsächlich die neue Kuchenbude montiert, was ich nur durch die Webcam beobachten konnte. So verging die freie Zeit und dann am Samstag fuhren wir dann doch noch nach Hohe Düne. Meine Eltern schlossen sich uns an und so genossen wir gemeinsam einen lauschigen Nachmittag unter der neuen Kuchenbude - echt angenehm.
Draußen ist die Luft nämlich recht kühl. Nordwind. Wir gehen dann noch spazieren und essen Eis. Später stoßen auch Frank und Christiane zu uns. Lilli gehts einigermaßen gut. Wir entschließen uns spontan, doch die Nacht an Bord zu verbringen. Jetzt wo wir ein "Zimmer" mehr haben. Abends schläft Lilli dann zunächst tatsächlich zunächst ein und wir können entspannt Pizza essen. Als wir dann jedoch selbst schlafen wollen, ist es mit der Ruhe vorbei. Lilli quengelt und schreit. Will nicht mehr schlafen. Eine Horrornacht mit Schlafentzug steht uns bevor. Nur wenige Stunden Ruhe springen unterm Strich heraus. Der Sonntag empfängt uns dann auch noch neblig mit Nieselregen. Nach dem Mittag brechen wir wieder Richtung Heimat auf. Die beiden Kranken brauchen noch Genesungsspielraum. Hoffentlich ist die Zeit der Krankheiten bald vorbei, so dass wir endlich richtig in die Saison starten können...

Sonntag, 26. April 2009

Sonne satt

Nun ist uns die sonnige Ostwindlage schon mehrere Wochen treu geblieben. Leider ist auch meine Nebenhöhlenentzündung ähnlich hartnäckig. Muss schon wieder Antibiotikum schlucken und bin dementsprechend nicht wirklich fit. Lilli hält uns auch mächtig auf Trab. Sie scheint derzeit etliche Backenzähne zu bekommen und quengelt oft rum. Besonders das Einschlafen fällt ihr schwer. Da braucht man Nerven wie Drahtseile. Letztes Wochenende sind wir daher bereits am Samstag wieder nach Hause gefahren. So hofften wir, uns eine weitere schlaflose Nacht zu ersparen. Naja - auch zuhause schlief sie nicht so gut, aber da kann man wenigstens eine Tür zu machen. Dieses Wochenende sind wir vorsorglich erst am Samstag angereist. Der Ostwind weht recht frisch von achtern ins Cockpit, so dass aus dem geplanten Grillen nichts wird.
Also gibt es eben Geschnetzeltes aus der Pfanne. Lilli will mal wieder nicht einschlafen. Schließlich siegt doch noch die Müdigkeit und so können wir noch ein paar Zeilen lesen, bevor auch wir ermattet einschlafen. Der Heizlüfter schnurrt und Lilli hält die Nacht bis auf ein paar kurzweilige Weinattacken gut durch. Naja zumindest bis zehn vor Sieben. Wir testen nach dem Frühstück die Familienduschen und anschließend gehen wir an den Strand. Der Sonntag ist richtig warm - T-Shirt tauglich. Lilli buddelt im Sand und versucht Muschelschalen zu essen.
Während ihres kurzen Mittagsschlafes an Bord gönnen auch wir uns eine Siesta und nehmen Abstand von der geplanten Deckschrubb-Aktion. Nachmittags rüsten wir uns dann für die Heimfahrt. Leider ist das Wochenende schon wieder fast vorbei...

Dienstag, 14. April 2009

Sonniger Saisonstart zu Ostern

Die kalten, grauen Wintertage sind gezählt und der Muskelkater vom Schleifen, Antifoulingstreichen und Polieren ist vergessen. Die Sonne strahlt mit geballter Frühlingskraft. Nur meine x-te Erkältung steckt mir immernoch in den Knochen. War die Woche krankgeschrieben und erst jetzt geht es dank Antibiotikum aufwärts. Ich hoffe die Sonne richtet den Rest. Das Boot hat jedenfalls den Weg zurück in die Ostsee gefunden und so langsam setzt sich das Puzzle zusammen. Nach intensivem Säubern, Aufräumen und Einräumen können wir das sonnige Osterwochenende an Bord verbringen. Leider ist die neue Kuchenbude noch nicht fertig geworden und so weht uns der frische Ostwind von achtern ins Cockpit. Dank der Sonne ist es aber ganz angenehm draußen.
Nur die Segel fehlen noch. Die hatten nicht mehr ins bis in den letzten Winkel vollgestopfte Auto gepasst. Was solls - Step by Step. Lilli gefällt es jedenfalls an Bord. Wie ein junger Hund tollte sie in der Koje im Bug herum. Die gesamte Kajüte wird intensiv unter die Lupe genommen.
Hier ein Schalter, da ein Lämpchen...die Kleine ist wieselflink und rastlos. Ganz schön anstrengend. Nebenbei putzen wir während Lillis Mittagsschlaf mal eben das Cockpit oder verlegen einen neuen Teppich im Salon. Zu tun gibt es genug. Die erste Nacht an Bord wird gleich zur Nervenprobe, denn Lilli will nicht einschlafen.
Sie schreit und zetert. Außerdem hustet sie ständig. Im Schiff ist es ohne Heizung nur maximal 9 Grad. Also läuft unser Lüfter. Aus einer ruhigen Nacht wird nichts. Dank Lilli bekommen wir kaum ein Auge zu. Der Morgen erlöst uns viel zu früh und Lilli will aufstehen. Also folgt das Frühstück und ein Morgenspaziergang, der die Lebensgeister weckt. Nachmittags nehmen wir uns aber auch Zeit für einen Ausflug nach Warnemünde. Dort schieben sich Meschenmassen den Alten Strom entlang. Wir schlecken Eis und zeigen Lilli den Strand. Am Sonntag geht es zurück nach Hause, da ja auch noch Osterbesuchen bei den Verwandten anstehen. Außerdem brauchen wir endlich eine ungestörte Mütze voll Schlaf.

Dienstag, 11. November 2008

Überführung ins Winterlager

Tja, nun ist die windreiche Saison schon wieder vorbei und Carpe Diem muss ins Winterlager.
Und wieder ist der Wind gegen uns. Der erste Krantermin musste wegen Sturm unmittelbar vorher abgesagt werden. Bei 8 - 9 Windstärken war an ein Auslaufen zum Winterlager nicht zu denken. Also umsonst nach Rostock gefahren aber zumindest das Schiff geschont. Ein anderes Schiff wurde am selben Tag wegen des Sturmes beim Kranen stark beschädigt.
Bei uns klappt es dann am 11.11., obwohl es auch an diesem Tag mächtig bläst. Letztlich geht alles gut und ich fahre das Schiff auf der Warnow sicher zum Winterlager während meine beiden Frauen mit dem Auto folgen. Auch beim Kranen geht nichts schief. Wir müssen nur etwas warten, bis wir an der Reihe sind.
Dann geht alles recht schnell und die Carpe Diem steht hoch und trocken direkt an der Warnow.
Hoffentlich wird der Winter nicht allzu streng und die Saison 2009 startet sonnig! In diesem Sinne widmen wir uns nun den besinnlichen Weihnachtstagen und außerdem steht ja in genau einem Monat Lillis 1. Geburtstag an.

Montag, 8. September 2008

Flaute oder Gegenwind? Motorsegeltörn nach Hiddensee und Mön

Nachdem der erste "Säuglingstörn" im Juni mit reichlich Starkwind gespickt war, wollen wir unseren 3-wöchigen August-Törn etwas ruhiger angehen lassen. Lieber weniger Strecke abreißen und dafür nicht ständig die Zeit im Nacken haben. Leider sieht es gleich zum Start mal wieder nicht gut aus. Wir wollen nach Hiddensee. Von Rostock aus liegen also etwa 55 Seemeilen vor dem Bug. Da muss man schon mindestens 11 Stunden einplanen. Zwischendrin gibt´s keinen Hafen, da der Nothafen Darßer Ort versandet ist und nicht angelaufen werden kann. Nun fehlt uns der Wind, der natürlich am Besten aus West mit 4 Beaufort wehen sollte. Stattdessen müssen wir mit 2 - 3 Windstärken rumschlagen und bewegen uns nur in Zeitlupe voran.
Also kommt die Flautengenua (Motor) zum Einsatz und der muss für den Rest der Strecke trotz Leckage in der Ölwannendichtung durchhalten. Nur kurz ereilt uns eine Schauerböe und wir rauschen für 20 min dahin. Lilli hält ganz gut durch und kann während der Motorfahrt auch bei uns im Cockpit sitzen. Im Dämmerlicht erreichen wir schließlich Barhöft. Dort bleiben wir auch einen weiteren Tag, um die Seele baumeln zu lassen. Der Wind ist zurück und bläst uns steif ins Gesicht als wir in zur Naturschutzstation und dem Aussichtsturm wandern. Lilli sitzt im Tragerucksack und schläft. Von Barhöft aus segeln wir mit achterlichen 7 Windstärken blitzschnell durch das enge Fahrwasser zwischen Hiddensee und Rügen. In Neuendorf auf Hiddensee ist der Hafen komplett belegt und so verbringen wir die erste Nacht unterhalb der Krananlage an der Kaimauer.
Da Hiddensee nun erreicht ist, wollen wir einen Gang zurück schalten. Vor uns liegen noch zwei Wochen, bevor wir die Heimreise antreten müssen. Nach einigen Tagen in Neuendorf, wo scheinbar viele Familiencrews längere Liegezeiten einplanen, verholen wir uns nach Vitte. Dort besuchen uns noch meine Eltern. Gemeinsam unternehmen wir eine Radtour über die Insel und zum Leuchtturm. Das Wetter ist gut und die Fischbrötchen schmecken. Leider vermiesen uns die zahlreichen Wespen den ungetrübten Aufenthalt im Cockpit oder im Cafe. Ich versuche mit meinem Wobbler noch mein Anglerglück. Es lässt sich jedoch kein Boddenhecht überlisten. Die Tage treiben dahin und wir genießen es, mal nicht von Hafen zu Hafen hetzen zu müssen. Dann nutzen wir ein Wetterfenster und segeln von Hiddensee aus zur Insel Mön in Dänemark.
Die erste Hälfte der Strecke müssen wir mal wieder motoren und die Sonne scheint kräftig. Dann frischt es zunehmend auf. Als wir Klintholm erreichen werden wir bereits von beachtlichem Seegang durchgeschaukelt und der Wind erreicht 6 - 7 Beaufort. Klintholm wirkt schon recht verlassen. Die Saison neigt sich leider auch dem Ende zu. Wie eine Geisterstadt kommt uns das Örtchen teilweise vor. Die Geister wollen uns dann auch mit Gewalt dort festhalten, denn der Starkwind wird zum Sturm und die See beginnt für die nächsten Tage zu kochen. Da haben wir nicht mal Lust auch ausgedehnte Spaziergänge geschweige denn Ausflüge mit Leihfahrrädern. Wir bleiben die meiste Zeit an Bord und spielen mit Lilli oder lesen. Regen gibt es auch recht häufig. Der Wetterbericht verheißt auch weiterhin nur Starkwind aus der Richtung in die wir nach Hause zurück müssen. Die Zeit zerrinnt uns zwischen den Fingern und wir unternehmen einen erfolglosen Versuch Richtung Heimat auszulaufen. Hat keinen Zweck bei den Wellen und da die vor uns liegende Strecke mindestens 40 Seemeilen (bis Gedser) bzw. 55 Seemeilen (bis Hohe Düne) beträgt, fällt ein zeitraubender Kreuzkurs aus. Wir finden uns schon fast mit dem Gedanken ab, unser Schiff hier zu lassen und mit Bus und Fähre nach Rostock zurückzukehren.
Schließlich unternehmen wir aber doch noch einen letzen Versuch, da der Gegenwind kurzfristig zu unseren Gunsten drehen soll. Es wird eine einzige Quälerei. Zunächst können wir unter Motor und voller Besegelung einen Anlieger fahren. Dann dreht der Wind aber erneut gegen uns. Wir entscheiden uns für Augen zu und durch. Bis zu 7 Windstärken blasen uns entgegen und die Wellen bauen sich bis 2 Meter auf. Der Motor schiebt uns unter Stützsegel in Zeitlupe unserem Ziel entgegen. Gedser schreiben wir ab und nehmen direkten Kurs auf Rostock. Nach 11-stündigem Gegenangebolze haben wir es schließlich geschafft. Wir sind glücklich und völlig erschöpft. Womit haben wir nur immer diese Bedingungen verdient. Flaute oder Starkwind auf die Nase - dazwischen hielt der Sommer 2008 nur wenig für uns bereit. Gewürzt mit Regenschauern und Gewittern keine allzu positive Bilanz. Bleibt nur die Hoffnung auf einen Jahrhundertsommer 2009.