Dienstag, 19. Mai 2015

Himmelfahrtskommando 2015

Im dritten Jahr kann man wohl schon von Tradition sprechen. Gemeint ist unser Herrentagstörn. Bei uns auch "Himmelfahrtskommando" genannt. Eine willkommene Gelegenheit, in alle Winde verstreute Freundschaften zu pflegen und gemeinsam eine kleine Auszeit von Job und Familie zu nehmen. Auch in diesem Jahr kamen Holger, Christian und Christoph meiner Einladung nach. Am späten Abend vor dem Herrentag trafen wir uns an Bord, öffneten ein Bierchen und schmiedeten Pläne. Nach Fehmarn sollte es gehen. Zum Windsurf-Festival. Strand, jede Menge Surfer-Flair und die ein oder andere Party. Gebongt. Denkste. Zwar haben wir alle sogar vorsorglich unsere gesamte Windsurf- und Kitesurfausrüstung dabei, aber ausgerechnet der Wind ist gegen uns. Mittwoch war er noch stürmisch aus West unterwegs und sorgte dementsprechend vor Warnemünde für reichlich Ostseehackwelle. Auch am Herrentag als wir kurz nach 13 Uhr auslaufen beginnt noch der Tanz in um die zwei Meter Welle aus Westnordwest. Von dort blies auch der Wind noch mit 5-6 Beaufort. Nachdem ich beim setzen des Staysails auf dem Vorschiff geduscht wurde und Großsegel sowie Genua gerefft waren ging der Tanz los. Ob der letzte Rum am Abend vorher schlecht war oder das Wellenbild ideal weiß ich nicht. Jedenfalls besuchte mich die Seekrankheit seit langem mal wieder. Raum nach West zu machen, war kaum möglich. Also drehten wir um in Richtung Hohe Düne zurück. Nach rund 8 Seemeilen zurück am Ausgangspunkt.

Was solls. Da der Freitag schwachwindig werden sollte, musste ein neuer Plan her. Ein bischen Action im Kletterwald von Markgrafenheide sollte es sein. Echt zu empfehlen und teilweise sehr anstrengend. Besonders das Hinaufklettern an zahlreichen Netzen. Genau das passende Armtraining für den nächsten Punkt auf der Agenda. Surfen. Schließlich haben wir unsere Ausrüstung nicht umsonst vom Dachboden geholt. Samstag gegen Abend sollte ordentlich Wind kommen und auch Sonntag aus vollen Rohren blasen. Tatsächlich konnten wir dann Samstag Abend am Strand von Markgrafenheide in ordentlicher Brandungswelle aufs Wasser gehen und in den Sonnenuntergang surfen. Auch am Sonntag Vormittag ging es nochmal in die Wellen. Der Wind war leider nicht ganz konstant, so dass verschieden Segel und Drachen zum Einsatz kommen mussten. Am Ende erwischte uns gar noch eine Regenfront mit Sturmböen und Hagel. Da kamen wir und unser Material gerade nochmal mit einem blauen Auge davon. Aber das ist eine andere Geschichte.

Hier noch ein paar Fotos:







Montag, 20. April 2015

Update

Geschafft. Heute morgen kurz vor Zehn hat uns der Travellift in die Warnow gesetzt. Bei bestem Sonnenschein und kühlem Nordwind. Vorher noch die Schraube gefettet und die Pall-Stellen mit Antifouling bedacht. Motor ist auch gleich angesprungen. Im Slalom um die ganzen Heringsangelboote  fuhr ich nach Warnemünde. Draußen stand noch eine gute Welle. Der Anleger hat trotz Seitenwind auf Anhieb gesessen. Willkommen zurück am Sommerliegeplatz.

Nach einer kurzen Mittagspause musste ich zunächst das Schlauchboot aufpumpen. War nicht geplant, aber die Krangurte haben am Rumpf hässliche Abdrücke hinterlassen und von oben kommt man nicht ran. Also Beiboot klarmachen, wassern und klar bei Eimer und Lappen. Dann eben gleich mal den Rumpf komplett säubern. Die Zeit geht ins Land. Da der Wind nachgelassen hat, sind als Nächstes die Segel und Schoten dran. Alles rausräumen, vorbereiten und anbauen. Ganz allein muss man besonders sorgfältig zu Werke gehen, denn sonst rächt sich jede Nachlässigkeit doppelt. Genuafall tauschen. Großsegel, Genua und Staysail montieren. Eh ich mich´s versehe, ist es nach 17 Uhr. Noch schnell unter Deck etwas aufräumen und die Sprayhood anbauen. Und los.

Muss ja noch zu Fuss mit Autofähre und S-Bahn bis zurück zum Winterlager wo das Auto steht. Dann noch tanken und ab auf die Autobahn. Gegen halb Acht bin ich dann zurück. Hat auch gereicht für heute. Nächster Einsatz dann Deck und Holzleiste schrubben und unter Deck saubermachen. Damit alles soweit einsatzbereit ist, wenn die Kinder mitkommen und wie selbstverständlich Besitz vom Vorschiff ergreifen als wären sie nie weg gewesen. Von der Arbeit bekommen sie noch nicht viel mit. Aber bald kommen sie ja in das richtige Alter zum helfen. :-)






Freitag, 17. April 2015

Saison im Blick

So, hier mal wieder ein kleines Lebenszeichen im Blog. Nach dem recht milden Winter sind nun endlich auch frühlingshafte Temperaturen da. Höchste Zeit für einen Besuch im Winterlager. Der Orkan hat zum Glück keine Spuren an Bord hinterlassen. Alles ist wie im November, als ich unser Schiff hier im Winterschlaf zurückließ. Nur der Kalender klingt nach Saisonstart und die Sonnenstrahlen wärmen schon recht ordentlich, als ich letzten Samstag morgens um kurz nach Neun beginne, das Unterwasserschiff zu streichen.


Um halb Zwei strahlt dann alles in dunklem Blau und irgendwie möchte man am liebsten gleich die wenigen Meter in die Warnow verholen. Der Terminplaner für den Kran ist aber bis Anfang Mai dicht, denn nun wollen alle ins Wasser. Also noch Zeit, um weitere Arbeiten an Land durchzuführen. Dachte ich bis heute. Ich erhielt einen Anruf, dass jemand abgesprungen ist und nun kurzfristig kommenden Montag ein Krantermin frei ist. Bingo. Wir haben ein Date mit der Warnow. Nächste Meldung dann vom Liegeplatz. :-)




Montag, 3. November 2014

Letzte Nacht an Bord, frühlingshafte Fahrt ins Winterlager

Am Kalender steht November. Auf dem Thermometer 15 Grad plus. Und die Sonne scheint. Der Wind bläst frisch ablandig. Eigentlich bis auf das Datum perfekt Vorzeichen für einen Törn rüber nach Dänemark. Aber auf dem Törnplan steht das Winterlager.

Sonntag nach dem Mittag bin ich nach Hohe Düne gefahren, um den noch schwachen Wind zu nutzen.  Die Segel sollten abgebaut werden, statt sie zu setzen und raus auf die Ostsee zu fahren. Noch einmal die Genua am Liegeplatz ausgerollt, das Fall fieren und schon wird aus dem Segelboot ein Boot. Gerade als ich das Großsegel abnehmen will, fängt es an zu tröpfeln. Na prima! Also die Persenning wieder drüber und einen Wartekaffee aufgebrüht. Zum Glück nur ein verirrter Schauer. Also weiter. Als alle Segel unter Deck verstaut sind, bricht auch schon die Dunkelheit rein. Kalenderblatt lässt grüßen.

Mit Heizlüfter, Bierchen und dem Buch "Ostseeroulette" wird´s noch einmal gemütlich an Bord. Später hole ich mir noch eine Pizza Tonno für 11 Euro vom Italiener beim Hotel. Das einzige Restaurant, was dort noch auf hat. Ansonsten alles dunkel. Auch in den Cocktailbars im Hotel ist Totentanz. Na dann eben noch ein Bierchen an Bord. Und etwas Beach-House auf die Ohren, um noch ein bisschen Sommerfeeling aufkommen zu lassen.

Morgens werde ich erst um 8:30 Uhr wach. Höchste Zeit, die Todo-Liste weiter abzuarbeiten. Aber vorher noch schnell gefrühstückt und ein frischer Kaffee. Dann räumen, packen, abbauen. Auto holen. Schleppen, packen, schwitzen. Um 11 Uhr ist das Auto voll und ich fahre es schon mal zum Winterlager. Also auf die Autofähre warten. Dann bis nach Rostock Bramow fahren. Auto abstellen und zur S-Bahn laufen. Wieder warten. Dann nach Warnemünde fahren und wieder zur Autofähre laufen, um zurück nach Hohe Düne rüber zu fahren. Der ganze Heckmeck dauert insgesamt fast 2 Stunden.

Schon wird die Zeit knapp. Die Mittagsbrötchen werden nebenbei eingenommen, während ich das gesamte Trinkwassersystem entleere. Klingt einfacher als es ist. Zwei Wasserhähne, ein Boiler, eine Cockpitdusche und die Wasserpumpe müssen am Ende Wasserfrei sein und der Tank leer. Ablegen vorbereiten. Aller klappt und so verlasse ich planmäßig um 14 Uhr den Hafen. Noch einmal raus auf die Ostsee, um dann durch die große Hafeneinfahrt in die Warnow einzulaufen. Die Sonne blendet und der steife Südwind bläst mir entgegen.

Pünktlich um 15 Uhr fahre ich in den Travellift ein und wenig später ist der Motor frostgesichert und es geht eine Etage nach oben ins Trockene. Dann noch Unterwasserschiff mit dem Hochdruckreiniger sauberstrahlen und das Boot schwebt auf den Lagerbock. Dann noch zum Stellplatz hinterm Trecker und fertig. Naja und dann wieder räumen, Leinen sortieren, Außenborder abbauen, Toilette frostsichern  und Einiges mehr. Schneller als mir lieb ist, wird es dunkel. Um kurz nach 18 Uhr mache ich die Schotten dicht und ab geht´s mit randvollem Auto nach Hause. Um dort das Auto auszuladen und alles irgendwo zu verstauen bis zum nächsten Jahr. So, nun kann der Winter kommen und schnell wieder Platz für den Frühling machen…

Hier noch ein paar Fotoeindrücke:


















Montag, 6. Oktober 2014

Sonniger Saisonausklang mit Scholle, Wind und Spätsommerfeeling


Spontanes Spätsommerwetter. Spontaner Törn. Das Saisonende steht unmittelbar bevor. Das letzte Zeitfenster, um aufs Wasser zu kommen, hat sich geöffnet. Ohne großartige Masterplanung ist meine Herrentagscrew aktiviert. Tatsächlich finde ich zwei Crewmitglieder. Christoph und Holger nehmen sich die Zeit, mich spontan zu begleiten.

Noch am Abend des zweiten Oktobers kaufen Christoph und ich die notwendigsten Lebensmittel ein und gehen an Bord. Noch ist es neblig und kein Lüftchen regt sich. Wir stärken uns mit Pizza und stoßen mit einem Rümchen auf die sonnigen Wetteraussichten an. Auch am Einheitstag liegt morgens noch ein dichter Nebelschleier über Warnemünde und der Ostsee. Holger stößt mit frischen Brötchen zu uns. Erst zur Mittagszeit wird die Sicht etwas besser. Bei Flaute legen wir ab, um die erworbenen Angelkarten auf See gegen reichlich Dorsch einzulösen. Dieselbe Idee scheinen noch viele weitere Dorschjäger zu haben. In der Nähe der Fahrrinne sind etliche Nußschalen und Angelkutter unterwegs. Auch drei Schweinswale sichten wir, die sicher ebenfalls auf Beutezug sind. Um es kurz zu machen - die Angelkarten können als Spende ausgebucht werden. Trotz drei Stunden angestrengten Pilkens ist die Bilanz eher skuril denn auskömmlich. Mit Pilkmontage gefangen: 1 Hornhecht gehakt (zu klein, wieder rein), 1 kleines sardinenartiges Fischlein gehakt (zurück ins Wasser), 2 kleine Dorsche (wieder in die Ostsee entlassen) und das Gefühl endlich einen kapitalen Dorsch am Haken zu haben. Zutage kam dann allerdings eine maßige Scholle, die ich mit dem Pilker quasi vom Grund weggeharkt habe (mittig, wie ein Seeanker). Mahlzeit. Wenigstens ein Appetithappen. Zurück an Bord sitzen wir dann zu dritt um die gebratene Scholle und teilen brüderlich. Lecker. Danach wird dennoch der Grill angemacht und etwas mehr Substanz (Schweinefilet) sorgt dann doch noch für ein reichliches Abendmahl.










 Der Samstag empfängt uns morgens schon sonnig und der Wind hat seine Puste im Südosten wiedergefunden. Um 11:11 Uhr legen wir ab und setzen die volle Segelfläche. Auf Halbwindkurs rauschen wir mit bis zu 7,5 Knoten Kühlungsborn entgegen. Meine Bluetooth-Box untermalt die Stimmung mit Reggae und Beach-House, so dass Anfang Oktober beinah sommerliche Gefühle aufkeimen. Viele Segler nutzen das Wetter und so folgen uns weiße Segel die Küste entlang. Nach fast drei Stunden Segelgenuss erreichen wir Kühlungsborn und finden einen schönen Liegeplatz. Erstmal ein Anlegebierchen und dann stärken wir uns mit Fischbrötchen. Am Strand und auf der Promenade sind viele Spaziergänger und Sonnenanbeter unterwegs. Das Wasser hat allerdings nur noch 15 Grad und so verzichten wir aufs Baden. Eine Rechnung war bei uns aber noch offen. Scholle satt - das wär´s. Also suchen wir am Abend die Hafentaverne auf und jeder bekommt diesmal eine frisch gebratene Scholle. Lecker. Ein paar Sundowner später finden wir uns im VIELMEER wieder. Dort war vor zwei Tagen Reggae-Party. Naja und an diesem Abend eben Jazz- und Swingabend mit Ü50-Publikum. Die Stimmung war aber ausgelassen und die Band sehr gut. Erst weit nach Mitternacht fielen wir in unsere Kojen.


Am Sonntag brauchten wir dann erstmal ein zünftiges Frühstück. Die Sonne war schon wach und der Bäcker in Sichtweite. Kaffee und Rührei weckten die Lebensgeister und um kurz vor 11 Uhr legten wir ab, um den Bug wieder Richtung Heimathafen zu richten. Auf Amwindkurs flogen wir zunächst zügig in Richtung Warnemünde. Dabei entfernten wir uns aber immer weiter von der Küste, da die Windrichtung keinen direkten Kurs zuließ. Auch der Wind schwächelte nach einer Stunde schon merklich. Gemütlich dümelten wir weiter bis wir querab Warnemünde am Eingang zur Fahrrinne standen. Zeit noch ein letztes mal das Anglerglück herauszufordern. Aber auch diesmal aus einem gehakten Hornhechtchen nichts. Als Kurs auf den Hafen. Gegen 16 Uhr machten wir fest und der letzte Törn des Jahres ging zuende. Schön war´s und kaum zu glauben, dass schon Oktober ist. Auf dem Rückweg mussten wir dann mit dem Auto noch 20 Kilometer Stau auf der A20 umfahren und etliche Umwege durch kleinste Dörfchen suchen, da auch die Nebenstrecken dicht waren. Tja - auf See kann das so schnell nicht passieren. Nun ist der Krantermin für Anfang November organisiert und der Winterschlaf steht bevor. Es war eine insgesamt sehr sommerliche Saison 2014 mit viel Sonne, Wärme und wenig Regenwetter. So kann es gern auch 2015 weitergehen.

Samstag, 12. Juli 2014

Ritt auf der Kanonenkugel

So die Zeit drängt und der Starkwind aus Nordost lässt etwas nach. Um 10 Uhr haben wir heute Gedser verlassen. Draußen auf See erwartete uns noch die Dünung des tagelangen Oststurms mit teilweise über 2 Meter Höhe. Das schräg von Achtern ergibt einen prima Rollercoaster. So dauerte es mit voller Besegelung, reichlich Speed und amtlichen Rollbewegungen nicht lange, bis sich die Seekrankheit ihre Opfer suchte. Erst Lilli, später Luna bzw. abwechselnd würden die Seitendecks "geflutet". Jeannette konnte es sich gerade noch zurückhalten. Zumindest schien die Sonne und wir schossen auf unser Ziel zu wie noch nie. Mit nie weniger als 6 Knoten und teilweise über 7 Knoten mit unserem schweren Langkieler. So waren wir dann auch nach 4 Stunden und 20 Minuten Ritt auf der Kanonenkugel in Hohe Düne. Kurze Zeit später schlief der Wind ein und ein Regenschauer ging nieder. Alles richtig gemacht also. Nun haben meine Frauen erstmal genug vom Segeln und morgen gehts dann wieder zurück ins Landleben.

Hier noch ein paar Fotos aus Gedser...

Von der Schaukelei gibts keine Fotos. Wer hätte auch die Kamera halten sollen. Immerhin hier der Topspeed dokumentiert:

Donnerstag, 10. Juli 2014

7:1 nach Gedser

Sieben Windstärken gegen ein Boot. Haben uns heute nachmittag nach Gedser "verlegt". Nach etlichen Tagen Nykøbing würde es Zeit für einen Tapetenwechsel. Und ein Stückchen näher zum Heimathafen. Schließlich naht das Urlaubsende. Und es bläst immer noch gehörig aus Ost. Böige 6 - 7 Windstärken oder mehr. Jedenfalls rollten wir lediglich die halbe Genua aus und machten damit bis zu 7,2 Knoten! Und das ohne nennenswerte Welle, denn durch den Sund und die Gedser Bucht fuhren wir dicht unter Land. So waren wir ratz fatz da und die Kinder konnten gleich auf den geliebten Spielplatz. Ich nahm gleich die Grillsachen mit. Schließlich war es mittlerweile fast 19 Uhr und perfektes Grillwetter. Morgen wollen wir nochmal ausspannen und baden, denn auf der Ostsee bläst es weiter mit 6 Windstärken und 2 Meter Welle. Samstag soll es dann abnehmen und wir werden dann nach Warnemünde rübermachen.